Für Chocolatiers, Confiserien & Pralinenmanufakturen

Pralinenschachtel kennzeichnen

Welche Pflichtangaben auf eine Pralinenschachtel gehören — und wie du Mischungen und zugekaufte Zutaten rechtssicher auslobst.

Von Rezeptrechner Team · Veröffentlicht am

Erklärvideo: Rezeptrechner-Software für Konditoreien, Chocolatiers und Confiserien.

Kennzeichnungspflicht kurz erklärt

Sobald du Pralinen vorverpackt in den Handel bringst — im eigenen Webshop, auf dem Wochenmarkt, im Supermarkt oder über Wiederverkäufer — greift die europäische Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Sie schreibt vor, welche Angaben auf die Verpackung gehören: Zutatenliste mit hervorgehobenen Allergenen, Nährwerttabelle, Menge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Hersteller — und einiges mehr.

Für Pralinen kommen zusätzlich Besonderheiten dazu, auf die dieser Artikel eingeht — von Mischschachteln bis Alkohol-Deklaration. Einen Überblick über die allgemeine Pflicht-Systematik — Schriftgröße, Sichtfeldregeln, Ausnahmen — findest du im LMIV-Grundlagen-Artikel.

So sieht ein fertiges Pralinen-Etikett aus

Damit klar ist, worauf es hinausläuft — die Rückseite einer 8er-Geschenkschachtel mit gemischten Pralinen, vollständig LMIV-konform (zusammengefasstes Zutatenverzeichnis, Allergene, Spurenhinweis, Alkoholhinweis, Nährwerte, MHD, Hersteller).

Pralinen-Mischung „Klassiker"

100 g ℮ (8 Stück)

Charge: L240422

Zutaten

Zucker, Kakaobutter, HASELNÜSSE, VOLLMILCHPULVER, MANDELN, Kakaomasse, SAHNE, BUTTER, Glukosesirup, Invertzuckersirup, Kirschwasser, Meersalz, Emulgator: SOJALECITHIN, natürliches Vanillearoma.

Kann Spuren von anderen Schalenfrüchten und Sesam enthalten.

Nährwerte pro 100 g (Durchschnitt)

Energie2315 kJ / 556 kcal
Fett37 g
davon gesättigte Fettsäuren22 g
Kohlenhydrate49 g
davon Zucker46 g
Eiweiß6,2 g
Salz0,15 g

Enthält Alkohol.

Mindestens haltbar bis: 30.06.2026

Hersteller: Confiserie Muster GmbH · Musterweg 12 · 10115 Berlin

Illustratives Beispiel. Nährwerte, Mengen und Zutatenangaben müssen für jede Rezeptur einzeln berechnet werden.

Lebensmittelkennzeichnung leicht gemacht

Mit der Rezeptrechner Software erstellst du die Kennzeichnung für deine Produkte direkt auf Basis der Rezepturen — Zutatenliste, Allergene und Nährwerte in einem Durchgang.

Wie kommt man zu den Daten für die Pralinenschachtel-Kennzeichnung?

Zutatenverzeichnis, Allergenhervorhebung und Nährwerttabelle lassen sich direkt aus der Rezeptur berechnen — also aus Zutaten und Mengen. Die LMIV nennt in Artikel 31 Absatz 4 drei zulässige Grundlagen für die Nährwertdeklaration: die Analyse durch den Hersteller, die Berechnung aus den bekannten oder tatsächlichen Durchschnittswerten der verwendeten Zutaten, oder die Berechnung aus allgemein anerkannten Daten. Eine Laboranalyse ist also nicht zwingend — die Berechnung aus der Rezeptur ist gleichrangig zulässig.

Der Rezeptrechner — webbasierte Software für Lebensmittelbetriebe

Der Rezeptrechner ist eine webbasierte Software für Konditoreien, Chocolatiers, Bäckereien, Gastronomie und Manufakturen. Du pflegst deine Rezepturen an einem zentralen Ort — Zutaten, Mengen, Zubereitung — und der Rezeptrechner erstellt daraus Nährwerttabelle, Zutatenverzeichnis mit Allergenhervorhebung, Preiskalkulation und das fertige LMIV-Etikett als PDF. Nichts zu installieren, Zugriff aus jedem Browser.

So kommst du vom Rezept zum fertigen Etikett

Fünf Schritte — die meiste Arbeit übernimmt der Rezeptrechner:

  1. 1

    Zutaten & Mengen eingeben

    Gib deine Rezepte — Zutaten und Mengen — in den Rezeptrechner ein. Für die Zutaten hast du zwei Wege:

    • Aus der Nährwertdatenbank vom Rezeptrechner auswählen — tausende Rohstoffe mit hinterlegten Nährwerten (Kuvertüre, Sahne, Nüsse, Marzipan-Rohmasse, Glukosesirup, Zucker, Aromen und vieles mehr).
    • Eigene Zutaten vom Lieferanten hinterlegen — mit eigenen Nährwerten aus dem Lieferanten-Datenblatt oder Produktetikett. Einmal im Account erfasst, steht die Zutat für alle künftigen Rezepturen zur Verfügung.
  2. 2

    Zutatenverzeichnis aus der Rezeptur

    Absteigend nach Menge sortiert, LMIV-konform formatiert, Allergene vorgeschlagen und optisch hervorgehoben.

  3. 3

    Nährwerttabelle berechnet

    Aus hinterlegten Nährwerten der Rohstoffe — Datenbank + eigene Zutaten. Pro 100 g und optional pro Portion.

  4. 4

    Layout & Zusatzangaben ergänzen

    MHD, Nettogewicht, Hersteller, Charge, ggf. Alkoholhinweis — direkt im Etiketten-Generator.

  5. 5

    Etikett als PDF ausgeben

    Zum Drucken mit dem eigenen Etikettendrucker, alternativ als Produktspezifikation-PDF für B2B-Kund:innen.

Für einfache Produkte reicht dieser Weg — eine Rezeptur, ein Etikett. Bei Pralinen wird's allerdings deutlich komplexer.

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Registriere dich und leg dein erstes Rezept an — die Nährwerttabelle entsteht direkt aus den Zutaten. Mit der kostenlosen Demo ausprobieren, ohne dich festzulegen.

Pralinen — die Königsklasse der Kennzeichnung

Bei einem Standardprodukt entsteht das Etikett direkt aus einer einzigen Rezeptur. Eine Praline ist aber selten nur eine einzige Rezeptur. In einer Pralinenschachtel fließen in der Regel drei Quellen zusammen:

Eigene Rezeptur

Selbst hergestellte Komponenten

Füllungen, Ganache, Nougat-Masse, Karamell — alles, was du selbst ansetzt.

Zugekauft

Zutaten vom Lieferanten

Hohlkugeln, Kuvertüre, Marzipan-Rohmasse, Streusel — jeweils mit eigener Zutatenliste.

Zugekauft

Fertige Pralinen in Mischungen

Einzelne Sorten, die du vom Chocolatier-Großhandel dazumischst.

Auf dem Etikett fließen alle Quellen in einer einzigen Zutatenliste zusammen. Bei zugekauften Produkten gilt: die Unter-Zutaten müssen laut LMIV in Klammern hinter der Hauptzutat stehen (Details: Zutatenliste-Artikel). Das Ergebnis: eine verschachtelte Struktur.

Beispiel: Aufbau einer Pralinenschachtel

Pralinen-Mischung
Nougat-Trüffel (Praline)
Eigene Rezeptur Nougat-Füllung

→ Haselnüsse, Zucker, Kakaomasse, Kakaobutter

Zugekauft Schokoladenhohlkugel

→ (Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, Emulgator: SOJALECITHIN)

Marzipan-Kirsche (Praline)
Zugekauft Marzipan-Rohmasse

→ (Mandeln, Zucker, Invertzuckersirup)

Eigene Rezeptur Kirschwasser-Ganache

→ Sahne, Kuvertüre, Butter, Kirschwasser

Eigene Rezeptur — Zutaten aus Rohstoffen Zugekauft — Sub-Zutaten in Klammern

Bei Mischschachteln (mehrere Pralinen auf einem Etikett) potenziert sich diese Verschachtelung. Wie der Rezeptrechner das abbildet, zeigen wir im Abschnitt So machst du das mit dem Rezeptrechner.

So machst du das mit dem Rezeptrechner

Für die verschachtelte Struktur gibt es im Rezeptrechner zwei Grundmuster — passend zu den beiden Zutaten-Quellen aus dem vorigen Abschnitt:

Zugekauft

Lieferanten-Zutat als eigene Zutat anlegen

Für jede zugekaufte Zutat (z.B. Schokoladenhohlkugel, Marzipan-Rohmasse, Streusel) legst du im Rezeptrechner eine eigene Zutat an. Die Zutatenliste und die Nährwerte tippst du direkt von der Verpackung oder dem Lieferanten-Datenblatt ab. Einmal erfasst, steht die Zutat für alle Rezepturen zur Verfügung — auf dem Etikett erscheinen die Sub-Zutaten in Klammern hinter der Hauptzutat.

Eigene Rezeptur

Rezept anlegen und in eine Zutat umwandeln

Für jede selbst hergestellte Komponente (z.B. Ganache, Nougat-Füllung, Karamell) legst du ein eigenes Rezept an — mit den Rohzutaten und Mengen. Mit einem Klick wandelst du dieses Rezept in eine Zutat um. Die neue Zutat kannst du dann in einer anderen Rezeptur einsetzen — z.B. die Füllung in der Praline, die Praline in der Pralinenschachtel. Nährwerte und Zutatenliste bleiben mit dem Ursprungs-Rezept verknüpft und werden mit übernommen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung am konkreten Beispiel: Wie du eine Pralinenmischung im Rezeptrechner von Grund auf anlegst — inklusive Umwandlung von Komponenten in Zutaten und dem Zusammenfassen mehrfach vorkommender Zutaten — zeigen wir ausführlich im Blog-Artikel „Pralinen-Kennzeichnung im Rezeptrechner".

Einfache Rezepturen kannst du auch mit der kostenlosen Demo-Version ausprobieren — einfach registrieren und dem Link zur Demo im Account folgen. Mehr zur Software und typischen Anwendungsfällen findest du im Einsatzbereich Konditoren & Bäcker.

Ideal für Pralinen-Hersteller

Komponenten als Zutat, Pralinen als Zutat, Mischschachtel als Rezept — der Rezeptrechner bildet die Verschachtelung sauber ab und liefert das fertige Etikett.

Häufige Fragen zur Pralinen-Kennzeichnung

Muss ich jede Praline einzeln kennzeichnen?

Nein. Die Verpackungseinheit wird gekennzeichnet — also die Schachtel. Einzelne Pralinen in der Schachtel tragen keine Kennzeichnung. Ausnahme: wenn Einzelpralinen separat als Fertigpackung verkauft werden (z.B. mit Banderole).

Wie gehe ich mit Mischschachteln um, deren Inhalt wechselt?

Jede feste Zusammenstellung braucht ihre eigene Kennzeichnung. Wenn du saisonale Mischungen rotierst, bekommt jede Variante ein eigenes Etikett. Bei echter Stück-für-Stück-Zusammenstellung nach Kundenwunsch handelt es sich um lose Ware — dann reichen Allergeninformationen an der Theke.

Ab wann muss ich „enthält Alkohol" schreiben?

Sobald das Endprodukt mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol enthält — bezogen auf die Praline, nicht auf die Füllung allein. Die Spirituose wird zusätzlich im Zutatenverzeichnis mit QUID-Mengenangabe genannt, wenn sie im Produktnamen auftaucht.

Ist „Kann Spuren von Nüssen enthalten" Pflicht?

Nein, die LMIV regelt nur absichtlich zugesetzte Allergene. Der Spuren-Hinweis ist freiwillig, in der Pralinenherstellung aber de-facto Standard, weil Kreuzkontamination fast unvermeidbar ist. Wichtig: nur reale Risiken angeben und die Einschätzung mit einer Risikoanalyse belegen — pauschale Hinweise ohne Hintergrund können als irreführend gelten.

Im Rezeptrechner kannst du solche Spurenhinweise auf der Produktspezifikation oder im Etiketten-Generator händisch ergänzen — so kontrollierst du die exakte Formulierung und passt sie an deine Betriebssituation an.

Brauche ich auf der Pralinenschachtel eine Nährwerttabelle?

Ja, bei Fertigpackungen. Bei Mischungen wird ein gewichteter Durchschnitt über alle enthaltenen Pralinen angegeben. Ausnahme: handwerklich hergestellte Lebensmittel, die in kleinen Mengen direkt an Endverbraucher oder den regionalen Einzelhandel abgegeben werden, sind von der Nährwertdeklaration befreit (Anhang V Nr. 19 LMIV) — die Einstufung „kleine Mengen" ist eine Auslegungsfrage der jeweiligen Lebensmittelüberwachung.

Wie kennzeichne ich Pralinen, die ich lose an der Theke verkaufe?

Bei loser Ware entfallen Zutatenliste und Nährwertdeklaration auf der Schachtel. Pflicht sind die 14 Hauptallergene, schriftlich dokumentiert — typisch über Schildchen an jeder Pralinen-Sorte, einen Aushang oder eine Kladde mit sichtbarem Hinweis. Details siehe Allergenkennzeichnung bei loser Ware.

Bereit für deine Pralinen-Etiketten?

Eine Rezeptur pflegen, LMIV-konformes Etikett bekommen — vom einfachen Trüffel bis zur 10er-Mischschachtel mit zugekauften Zutaten.